Der Weg ist das Ziel - Auf Tour mit Kindern III

 

Es ist heiß oder regnet tagelang, Müsli kann keiner mehr sehen und die Kleinen wollen nicht so wie die Großen. So schaffen wir das nie!

Manchmal ist es nicht einfach, mit Kindern auf Tour.

 

Was hilft?

 

Gelassenheit und eine gute Tourplanung. 

 

Gelassenheit - der Weg ist das Ziel
Gelassenheit - der Weg ist das Ziel


Gelassenheit

bedeutet oft genug "Entdeckung der Langsamkeit". Ist es nicht viel wichtiger, gemeinsam draußen und unterwegs zu sein, ausgeglichene, fröhliche Kinder zu haben, einen entspannten Urlaub haben als eine bestimmte Strecke "gemacht" zu haben? Manchmal baut man eben schon nach fünf Kilometern das Zelt auf. Der Lohn ist, das die Kinder wieder auf Tour gehen wollen!

Hauptsache Spaß zusammen! - Auf der Mecklenburgische Seenplatte
Hauptsache Spaß zusammen! - Auf der Mecklenburgische Seenplatte

Das ist wohl der Punkt, mit dem sich vor allem jüngere oder sehr sportliche Eltern, die früher die "harten Sachen" gemacht haben, am schlechtesten anfreunden können. Kompromisse können helfen, z.B. eine stramme Tagestour, während der andere Partner mit den Kindern Ruhetag macht. Oder eine Fortbewegungsart, bei der die Kinder nicht kooperieren müssen, sie also in den Fahrradanhänger oder vorne ins Boot setzen. Die Geduld der Kinder ist allerdings auch dabei begrenzt und ein flottes Kajak kann durch ein "mitpaddelndes" Kind ganz schön sabotiert werden! 

Grundsätzlich ist das einige Jahre einfach so dass man verzichten muss, und das kann frustrierend sein. Mir hat geholfen, ab und zu mal ohne die Kinder auf Tour gehen zu können.

Kindgerechte Tour, auf der es immer was zu gucken gibt - auf der Mecklenburgischen Seenplatte
Kindgerechte Tour, auf der es immer was zu gucken gibt - auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Gelassenheit bedeutet aber auch, Streit und schlechte Laune zu ertragen, keine zu großen Erwartungen zu haben. Gerade im Urlaub und auf Tour kommen viele Konflikte und falsche Erwartungen zu Tage . Der Ortswechsel und die ungewohnten Umstände stressen die Kinder, was sie an den Eltern auslassen. 

Das Tourleben mit kleinen Kindern ist hart, ein Familienhaushalt mit kochen, waschen, putzen wie zu Hause, nur unter erschwerten Bedingungen! Und dazu aus-/einpacken, auf-/abbauen und die Anstrengung der Tour. Bei meiner ersten "großen" Tour mit den Kindern bin ich abends ins Bett, wenn alle Lagerarbeiten erledigt waren, meist also nicht lange nach den Kindern...

Die Erwartungen also runterschrauben und Geduld bewahren wenn es Streit und Stress gibt - das renkt sich wieder ein! Helfen tun auch klare Grenzen - die Eltern haben schließlich auch Urlaub - und klare Ansagen! Wichtig ist, genau zu sagen, was man von den Kindern will, was sie wie machen sollen und was sie warum sein lassen sollen.

Nicht immer eitel Sonnenschein... Dalsland in Schweden
Nicht immer eitel Sonnenschein... Dalsland in Schweden

Viel Stress ist hausgemacht und hat seine Ursache meist in der Tourplanung. Die möglichen Etappenlängen lassen sich mit Kindern - je kleiner desto weniger - schlecht vorhersagen und schwanken gewaltig, je nach Tagesform und Motivation der Kinder. Ungünstig sind also Ziele, die erreicht werden und Strecken, die in einer bestimmten Zeit zurückgelegt werden müssen. 

Ich habe die Touren immer so geplant, dass sie an mehreren Punkten abgekürzt oder erweitert werden können. Außerdem habe ich immer genug Zeit eingeplant, um notfalls mehrere Tage abwettern zu können oder falls mal ein Kind krank wird.

Das schönste am Tag, das sind die Pausen - auf der Elbe
Das schönste am Tag, das sind die Pausen - auf der Elbe

Gelassenheit bedeutet auch, gnädig mit sich sein wenn man mal die Nerven verloren hat, kein Mensch ist ständig "pädagogisch wertvoll". 

Tipps zur Stressvermeidung

  • Touren mit Kanu oder Fahrrad (Anhänger) sind ideal
  • Touren mit Abkürzungen und Erweiterungen planen
  • genügend Zeit einplanen
  • Entdeckung der Langsamkeit (Buchtipp!) tut auch den Großen gut
  • Erwartungen niedrig halten
  • klare Grenzen und Ansagen
  • die Tour entspannt angehen
  • Einstellung: was zählt ist die gemeinsame Zeit draußen
  • gelegentlich mal ohne Kinder losziehen

Im nächsten Teil "Auf Tour mit Kindern" geht es um Langeweile und Beschäftigung.


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Das zieh´n wir durch! - Auf Tour mit Kindern II

Die Tour ist geplant, das Wetter passt, ideale Bedingungen, um richtig schön vorwärts zu kommen, mal "Stoff" zu geben, es sich mal wieder richtig zu beweisen! 

 

 

Doch was tun, wenn die Kinder nicht mitziehen,  keinen Bock haben? Wenn man nur im Schneckentempo vorwärts kommt? Wenn es sich doch zieht?

Es zieht sich...
Es zieht sich...


Ehrgeiz

So schwer es fällt: Tempo und Etappenlänge muss sich nach den Kindern richten, Ehrgeiz der Eltern rächt sich! Das gilt auch für Touren, bei denen die Kinder nicht selbst aktiv sind und z.B. vorne im Boot oder im Radanhänger sitzen. Darüber sollten sich beide Eltern und auch eventuelle Tourpartner wirklich im Klaren sein! 

Scheiß Tour
Scheiß Tour

Das bedeutet nicht, dass man Kinder nicht mal fordern kann oder nicht ihren Ehrgeiz wecken sollte, aber meiner Erfahrung nach sind Kinder auf Tour vor allem in Gefahr, mental überfordert zu sein. Kinder können sich noch nicht selbst ablenken; wenn die Füße weh tun, besteht die Welt aus den Füßen. Regen bringt für die Kinder fast immer frieren und nicht Spielen können mit sich und zumindest jüngere Kinder haben selbst meist noch nicht genug Ehrgeiz, solche Unbilden in Kauf zu nehmen. Bei schlechtem Wetter also Ruhetag machen, in eine Unterkunft gehen oder die Tour abbrechen.

Daher hat es sich für uns bewährt, Touren so zu planen, dass sie möglichst an mehreren Punkten abbrechbar, kürzbar und erweiterbar sind. Ungünstig sind Strecken, die durchgezogen werden müssen. Eventuell wollen wir das nächstes Jahr auf dem Paddjelantaleden wagen, die Kinder sind dann aber auch 15 und 12 Jahre alt. 

 

Das Fjäll ist kein Ponyhof    (Jämtlandsfjäll, Schweden)
Das Fjäll ist kein Ponyhof (Jämtlandsfjäll, Schweden)

Landschaftsreize nehmen Kinder nicht oder nicht so wahr wie Erwachsene, auf den "Unterhaltungswert" schöner/spektakulärer Landschaft sollte man meiner Erfahrung nach nicht zu sehr bauen. Toll ist Wasser in jeder Form, aber nur wenn man auch damit spielen kann. Kinder wollen die Welt nach meiner Erfahrung be-greifen, nicht nur anschauen. Also eine große Mittagspause an einem reizvollen, bespielbaren Platz einbauen und Ruhetage einlegen, meine Kinder brauchen nach wie vor etwa alle drei Tage einen, und ich auch...  

Die Welt be-greifen  (Faltboottour Elbe)
Die Welt be-greifen (Faltboottour Elbe)

Was Ehrgeiz, Selbstmotivation und "Leidensfähigkeit" anbelangt, unterscheiden sich Kinder enorm. Da hilft wenig, schon gar keine vermeintlichen Vorbilder: "Schau mal, wie toll der Kevin läuft" oder Hinweise auf andere Kinder (oder die eigene Kindheit! ), die "in Deinem Alter schon viiiiel weiter laufen". 

Ablenkung hilft eine Weile, z.B. durch Geschichten, Lieder oder (Rollen-)Spiele im Laufen. Motivierend ist Lob, selber machen lassen, besonders hilft vorauslaufen/-fahren lassen und als wichtigster Punkt Identifikation mit der Tour. 

 

Heute dürft Ihr voraus laufen - motiviert trotz  Regen...
Heute dürft Ihr voraus laufen - motiviert trotz Regen...

Wollen die Kinder die Tour? Fahren sie vielleicht lieber Fahrrad als zu wandern? Wurden sie bei der Planung altersentsprechend einbezogen? Was wissen sie über die Landschaft, was gibt es zu entdecken? Was könnte sie locken? 

Tipps

  • Tempo und Strecke richtet sich nach den Kindern
  • Flexibel bleiben
  • unterwegs viel Zeit zum Spielen einplanen
  • Ablenkung durch Geschichten, Lieder, Spiele
  • Lob motiviert, vorauslaufen lassen noch mehr
  • bei schlechtem Wetter Ruhetag machen oder abbrechen
  • Kinder altersgemäß bei der Planung einbeziehen!

Bei Frust hilft Gelassenheit.

Darum geht es im nächsten Blog "Auf Tour mit Kindern"!


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Sind wir bald Daha?! - Auf Tour mit Kindern I

 "Gibt es ein Outdoorleben nach der Stillzeit?"fragen sich viele Eltern kleiner Kinder, die bisher ihren Urlaub treckend, paddelnd oder radelnd verbracht haben und jetzt im Strandkorb an der Ostsee oder im Wohnwagen an der Adria sitzen, ihre buddelnden Hosenscheißer beaufsichtigend. 

 

Ich berichte aus Erfahrung: Ja, es geht! Nach einer ganzen Weile...

 



Bedürfnisse

Auf Tour mit Kindern, damit das funktioniert, muss es den Kindern dabei gut gehen, denn sonst haben die Eltern auch nichts davon. Klingt einfach, ist es aber nicht. 

Die Bedürfnisse von Kindern nach einem behaglichen Lager, genug Ruhe und Schlaf, ausreichendem und gutem Essen, viel Zeit zum Spielen, Sicherheit und Geborgenheit sind outdoors nicht immer leicht zu erfüllen. Die Eltern sind ob des Naturerlebnisses motiviert, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, aber vor allem kleine Kinder haben eher keinen Sinn für "Survival". 

Behagliches Lager
Behagliches Lager

Die Intensität der Bedürfnisse ist von Kind zu Kind sehr verschieden, manche sind robuster und anpassungsfähiger, manche sensibler. Daran lässt sich grundsätzlich nichts ändern, man muss sich einfach nach dem "schwächsten Glied in der Kette" richten!

Ab welchem Alter?

Meiner persönlichen Erfahrung nach sind Kleinkinder am liebsten zu Hause. Lange Autofahrten, Flüge und überhaupt der ganze Ortswechsel sind den meisten Kindern unter drei Jahren gründlich zuwider. Da der Versand der Nörglis in einem Paket leider nicht erlaubt ist, sollte man sich also gut überlegen, ob man seinem Kind und sich weite Reisen antun muss.

Leider verboten: Versand der Nörglis
Leider verboten: Versand der Nörglis

Fahrten bis vier Stunden mit Spielpausen, nachts fahren und ein ruhiges Ferienhäuschen mit Garten in gemäßigtem Klima - das funktioniert meist auch mit Kleinkindern.

 

Meine Kinder liebten auch Wohnwagen, eine geniale Sache, Klo, Küche und Bett sind auch unterwegs verfügbar und es ist alles schön eng! Insbesondere die Kombination Kleinkinder - Wohnwagen - Schweden ist absolut empfehlenswert! 

Kajaktour auf der Elbe: Mit Kindergartenkindern möglich
Kajaktour auf der Elbe: Mit Kindergartenkindern möglich

Ab dem Kindergartenalter kann man nach meiner Erfahrung Kinder, Kochgeschirr und Zelt in einen Radanhänger oder in ein Zweierkajak packen und endlich wieder rausgehen! Bevor die Kinder zuverlässig sauber sind, sollte man zumindest keine Wildnistouren machen. Raues Klima ist erst mal auch nicht das richtige, Island muss also warten!

Auf "großer Fahrt" in Dalsland, Schweden
Auf "großer Fahrt" in Dalsland, Schweden

Unsere erste richtige Kajaktour mit den Kindern - drei Wochen in Dalsland -  machten wir, als die Kleine 3 1/2 Jahre alt war und das war zeitweise grenzwertig, vor allem bei schlechtem Wetter, insgesamt aber eine tolle Geschichte!

Mit neun Jahren im eigenen Kajak auf Tour in Dalsland, Schweden
Mit neun Jahren im eigenen Kajak auf Tour in Dalsland, Schweden

Kinder ab etwa dem Schulalter können je nach Motivation kürzere Hüttentouren machen, mehr als 10% ihres Körpergewichts sollten sie dabei nicht im Rucksack haben!

Meine Kinder durften ab acht Jahren im eigenen Kajak paddeln und konnten auch auf Tour mit einem guten Kinder-Tourenkajak ganz gut mithalten.

Richtige Trekkingtouren, bei denen die Kinder den Großteil ihrer Ausrüstung selbst tragen, gehen meiner Erfahrung nach etwa ab 10 Jahren. Ab diesem Alter würde ich auch Radtouren empfehlen.

Hüttentour auf der  Schwäbische Alb
Hüttentour auf der Schwäbische Alb

Meine Kinder wollen übrigens nach wie vor nicht wochenlang auf Tour sein. Dazwischen und danach darf es gerne etwas Campingurlaub mit Ausflügen, Shoppingtouren und Eis essen sein!

Also lieber zwei einwöchige Touren mit Pause als eine dreiwöchige. Besser, die Tour ist zu kurz als zu lang!

Tipps

  • Kleinkinder: Ferienwohnung oder Wohnwagen/Wohnmobil
  • Kindergartenalter: Fahrradtour (im Anhänger) oder Kanutour
  • Schulkinder: Hüttentouren
  • ab etwa 8 Jahren:  Kajaktouren im eigenen Boot
  • ab etwa 10:  Trekkingtouren, Radtouren
  • auf gute Ausrüstung (Zelt, Matte, Schlafsack, Kleidung) achten
  • Tarp sorgt für Bewegungsfreiheit  an Regentagen
  • gutes Essen beugt Lagerkoller vor 
  • viele Spielpausen und Ruhetage einlegen
  • Rituale und Tagesrhythmen geben Geborgenheit

Im nächsten Beitrag Auf Tour mit Kindern geht es um Ehrgeiz - richtigen und falschen.



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