Auszeit - Simon ist schuld

Simon Michalowicz ist schuld. Bei einem Outdoortreffen im Frühjahr 2016 hielt er einen Vortrag über seine Tour zu Fuß 3.000 km längs durch Norwegen. Er erzählte von seiner Idee, der Planung seiner Tour, seinen Hoffnungen und Zweifeln, von den Höhen und Tiefen seiner Tour, Begegnungen mit vielen Menschen und vor allem auch der Begegnung mit sich selbst. Ganz offensichtlich kam am Nordkap ein anderer Simon an als der, der 140 Tage zuvor aufgebrochen war. Viel hat er verloren unterwegs, sein Zelt, etliche Kilos, viele Zweifel, und viel gefunden, nicht zuletzt sich selbst.

Am Ende seines Vortrages erwachte ich wie aus einem Traum und wusste: Das will ich auch.



Immer hatte ich den Wunsch, mal eine Tour fortsetzen zu können, wenn man endlich eingelaufen oder eingeradelt oder eingepaddelt ist, die Füße und die Schultern oder der Hintern endlich nicht mehr weh tut, man endlich weiß, in welcher Packtasche was ist, sich endlich alles zurechtgeschusselt hat. Meist ist der Urlaub zu Ende, aber der Weg geht noch weiter zu unbekannten Zielen, der Fluss fließt weiter durch verheißungsvolle Städte und geheimnisvolle Gebirge dem Meer entgegen…

Wenigstens einmal wollte ich weiter laufen, paddeln oder radeln! Außerdem wollte ich immer rausfinden, ob das Nomadenleben, das ich so liebe, sich irgendwann entzaubert, ob ich irgendwann geheilt bin und in Ruhe meinen Garten bestellen kann oder ob ich in Wahrheit auf der Straße zu Hause bin.

 

Fernweh...
Fernweh...

Im Laufe des Treffens sprach ich Simon an, wie er es geschafft hat, drei Monate Zeit zu haben und wie er das ganze finanziert hat. Simon machte mir Mut, Möglichkeiten zu suchen und meinen Arbeitgeber anzusprechen, mich lieber mit einer kürzeren Zeit zufrieden zu geben als es ganz zu lassen. Er ermahnte mich, das Vorhaben nicht auf „später“ zu verschieben sondern so bald wie möglich anzugehen, denn das Leben ist im Fluss…

Den Sommer über ließ ich die Idee reifen und googelte mir die Finger wund nach Möglichkeiten für Sabbatmonate, Auszeiten, Dienstbefreiungen und ähnliches. Mir wurde schnell klar, dass das Vorhaben mindestens  zwei Jahre Vorbereitungszeit erfordern wird, da die Antragstellung, Genehmigung von speziellen Vereinbarungen, eventuell Sammeln von Urlaub oder Überstunden und das Ansparen der Finanzen seine Zeit dauern wird. Die zwei Jahre täten auch meinen Töchtern gut, die bis dahin selbständiger die Zeit ohne mich besser überstehen würden. Länger wollte ich nach Möglichkeit nicht warten, da ich mir aufgrund einiger überraschender Todesfälle im näheren Umfeld vorgenommen habe, nichts aufzuschieben und die Löffelliste (oder Eimerliste, Filmtipp: „Das beste kommt zum Schluss“) so schnell wie möglich anzugehen!

Nach dem Urlaub fasste ich mir ein Herz und sprach meinen Arbeitgeber an, ob es denkbar wäre, dass ich für zwei bis drei Monate eine Auszeit nehme. Da ich überwiegend Projektarbeit mache, konnte er sich das mit entsprechender Vorbereitung und langfristiger Planung vorstellen und unterstütze meine Idee!

Ich werde die Auszeit durch über zwei Jahre zusammengespartem Urlaub, Überstunden und Jahresurlaub abdecken, losgehen soll es Ende April 2018!

Vom ersten Gespräch bis ich die schriftliche Genehmigung in Händen hielt vergingen sechs Monate.

 

Übrigens hat Simon ein lesenswertes Buch über seine Tour geschrieben, hier meine Besprechung.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0