Nie mehr kalte Küche - Spirituskocher selbst gebaut

 

Ein funktionierender Spirituskocher aus Abfall - einer leeren Getränkedose -  unterwegs mit einem Schweizer Taschenmesser herstellbar!

 

Als der Plünnenkreuzer, mein liebster Tourpartner vieler Unternehmungen, mir davon erzählte, interessierte mich das sofort und ich bat ihn, eine Bastelanleitung für meinen Blog zu schreiben.

 

Heute also ein Gastbeitrag vom Plünnenkreuzer!

 

Dosenkocher für den Notfall oder die "leichte Küche"
Dosenkocher für den Notfall oder die "leichte Küche"

Dosenkocher - wozu?

Claudia und ich verfügen über etliche Benzin-, Gas-, Spiritus- oder Hobokocher. Wir haben jedoch immer gern einen „Plan B“ zur Verfügung und so musste etwas zur Rettung einer Tour her, für den Fall, dass der mitgenommene Kocher aus irgend einem Grund nicht mehr zur Verfügung steht, zum Beispiel am Flughafen beschlagnahmt wird oder kaputt geht. Denn das hatten wir schon erlebt.

Die gesuchte Notlösung sollte gut funktionieren, einfach konstruiert und mit „Bordmitteln“ umsetzbar sein. Ich fand sie in einem Forum, testete sie und war begeistert. Es gibt reichlich Dosenkocherkonzepte, viele hab ich getestet, die meisten waren Schrott, da sie nicht richtig funktionierten und/oder viel zu aufwendig zu fertigen waren. Dieser Entwurf jedoch funktionierte auf Anhieb sehr gut und war einfach zu fertigen. Ich denke, es ist einer der besten Dosenkocher und nicht nur für Notfälle geeignet.

 

Die „Bordmittel“ sind eine leere Alu-Getränkedose, ein Schweizermesser mit Schere und ein längs gefalteter 20-Euro-Schein (oder eine vergleichbarer Größe, s. Bankkarte). Mehr braucht es nicht.

Bastelanleitung

Die Bordmittel
Die Bordmittel

Man beachte den Aufdruck „AL“ auf der Getränkedose. Auf der Bankcard ist das Maß markiert (Oberkante Chip bis Unterkante Card).

Alu-Dosen bekommt man sogar in Hütten im Fjäll. Von der 0,2 Liter Proseccodose bis zum 1,0 Liter Tuborg-Boliden gehen für diesen Brenner eigentlich alle. Die gedrungene 0,33 Liter-Dose (alte Form) oder eine 0,5 Liter-Dose funktionieren nach meiner Erfahrung allerdings am besten. Sie bieten gute Leistungsdaten bei hinreichender Standfestigkeit. 

 

Ob es sich um eine Alu-Dose handelt ist entweder aufgedruckt (AL) oder man erkennt es an der fehlenden Reaktion auf Magnete (z.B. Kompass). Wenn man es erst daran erkennt, das die Schere am Schweizermesser demoliert ist, ist es zu spät. Weißblechdosen funktionieren auch, sollten allerdings nur im äußersten Notfall Verwendung finden.

Die Kompassnadel zeigt nach links zur Weißblechdose, nicht nach rechts zur Aludose.
Die Kompassnadel zeigt nach links zur Weißblechdose, nicht nach rechts zur Aludose.

 

Der Brenner besteht aus einem Ober- und einem Unterteil. Deren Schnittstellen werden zunächst mittels des Eurscheins o.ä. und der Messerklinge in den Dosenlack geritzt. Wie abgebildet jeweils vom oberen und unteren Knick in der Dosenwand.

Anzeichnen mit Hilfe einer längs gefalteten 20€-Note
Anzeichnen mit Hilfe einer längs gefalteten 20€-Note

Für einen sauberen Schnitt werden die Schnittverläufe nun rund um die Dose mit der Klingenspitze in den Lack geritzt. Dafür wird die Dose auf eine ebenen Fläche gestellt, das Messer auf irgendeine feste Unterlage mit passender Höhe gelegt (ich nutze dafür gern Bücher, denn die kann man mittels der Seiten ganz genau „einstellen“), die Dose vorsichtig an der Klingenspitze vorbei gedreht und so die Schnittposition für das Unterteil eingeritzt. Dann wird die Dose auf den Kopf gestellt und in gleicher Weise für das Oberteil angezeichnet.

Einritzen des Schnittes mittels eines Buches. Andere feste Unterlagen gehen auch.
Einritzen des Schnittes mittels eines Buches. Andere feste Unterlagen gehen auch.

Nun wird der Deckel herausgeschnitten. Dies erfordert etwas Geduld, denn die Messerspitze muss etliche Male mit angemessen Druck in der Senke um den Deckel herumgeführt werden. Gleichzeitig muss man aufpassen, die Dose nicht zu zerdrücken. Geduld und Gefühl sind also gefragt. Irgendwann ist man durch und kann den Deckel vorsichtig herausdrücken.

Deckel ausschneiden, immer rund herum. Bei Rechtshändern umfasst die linke Hand fest aber gefühlvoll die Dose, die rechte Hand ritzt den Deckel ein. Ich arbeite dabei immer mit der kleine Klinge des Messers, denn sie ist besser zu kontrollieren. Der Daumen stützt sich für den nötigen Druck auf dem Bördelrand der Dose ab. Dies ist der stabilste Bereich. Diese Arbeit erfordert Geduld und die Dosen sind sehr unterschiedlich stabil.

Nun kann der Zuschnitt erfolgen. Zunächst werden die beiden Teile grob getrennt. Dies geschieht in etwa in der Mitte zwischen den Markierungen. Klingenspitze einstechen und mit der Schere rundum schneiden.

Die Dose wird etwa in der Mitte der beiden Schnittmarkierungen grob geteilt.

 

Dann wird an beiden Teilen das Blech bis auf 2 – 3 mm an die Markierung heran abgeschnitten. Dies geschieht, damit anschließend der endgültige Schnitt sauber und ohne den Schnittrand wesentlich zu deformieren durchgeführt werden kann. Das dünne Aluminium lässt sich gut mit der kleinen Schere des Messers schneiden, selbst mit der des winzigen Victorinox Classic Miniatur. Mit vergleichbaren Dosen aus Weißblech funktioniert das nur schwer und macht ziemlich sicher die Schere kaputt.

An Ober- und Unterteil erfolgen dann die nächsten Schnitte bis auf 2 – 3 mm (gestrichelte Linie)an die Schnittmarkierungen (durchgehende Linie) heran. Dann erst wird der endgültige Schnitt auf der Markierung durchgeführt.

 

Jetzt werden alle Schnittkanten entgratet. Dazu mit der Messerklinge jeweils einige male rundum innen und außen über die Schnittkanten schaben. Nicht zu stark drücken und auch nicht den Deckelausschnitt vergessen. Hat man zufällig Schmirgelpapier dabei (z.B. im Fahrradflickzeug) geht das einfacher.

Entgraten - immer mit Gefühl, denn das Material ist recht fragil
Entgraten - immer mit Gefühl, denn das Material ist recht fragil
Die zugeschnittenen Teile des Brenners
Die zugeschnittenen Teile des Brenners

In das Oberteil werden jetzt die Jet-Kanäle eingepresst. Dazu zwei Finger auf die Innenseite legen und von der Außenseite mit dem geraden Teil der großen Messerklinge eine Furche ins Blech drücken. Auch hier mit Gefühl arbeiten. Am Wandknick nur wenig eindrücken, damit durch zu große Jet-Düsen nicht unnötig viel Spiritus verbrennt.  Am unteren Rand (Schnittkante) deutlich mehr, damit sich später das Oberteil problemlos ins Unterteil schieben lässt. Man arbeitet immer eine Fingerbreite weiter bist man einmal herum ist.

Die Jet-Kanäle werden mit der Klinge eingedrückt.
Die Jet-Kanäle werden mit der Klinge eingedrückt.
Das fertige Oberteil
Das fertige Oberteil

An den Kontaktstellen kratze ich immer noch den Lack etwas ab, damit er im Betrieb nicht wie Kleber wirkt. Ober- und Unterteil lassen sich so leichter teilen. Auch hier ist Schmirgelpapier eine gute Alternative.

Lack abkratzen an den Kontaktstellen der beiden Teile
Lack abkratzen an den Kontaktstellen der beiden Teile

 

Nun werden beide Brennerteile zusammengesteckt und noch ein kleines Druckentlastungsloch gestochen. Zum Auseinanderbauen werden die beiden Teile nicht auseinandergezogen, sondern kräftig aber mit Gefühl auseinander gedreht. Der Brenner ist fertig!

Hier kommt das Loch zur Druckentlastung hin
Hier kommt das Loch zur Druckentlastung hin

Betrieb des Kochers

Der Brenner sollte max. zu ¾ mit Spiritus gefüllt werden. So erreicht er noch relativ schnell Betriebstemperatur.

Nach dem Anzünden ist der Brenner in nur wenigen Sekunden betriebsbereit. Topf oder Pfanne werden direkt auf den Brenner gestellt und verschließen diesen oben. Durch die heiße Brennerwand wird im Innern Spiritus verdampft, steigt über die Jet-Kanäle auf, tritt aus und brennt als Flammenkranz unter dem Topfboden. Aufgrund dieser Funktionsweise brennt der Brenner meist nur bis auf einen kleinen Brennstoffrest leer.

Mit einer Dose oder ähnlichem kann der Brenner gelöscht werden. Einfach schnell drüber stülpen. Wenn er abgekühlt ist (geht relativ schnell) trennt man vorsichtig die Teile und schüttet den restlichen Spiritus zurück in die Brennstoffflasche. Dann das Oberteil in das Unterteil legen und den restlichen Spiritus am Blech abbrennen. Das vermeidet unerwünschten Geschmack und Gestank im Geschirr.

Der Brenner brennt zum ersten mal. Der etwas ungleichmäßige Flammenkranz ist der recht freihändigen Fertigung geschuldet, hat keine spürbare Wirkung auf Effektivität und Effizienz.

Unter dem Topf sieht man … fast nichts! Der Brenner brennt sehr sauber und rußt kaum.

Nach dem Gebrauch brenne ich immer noch Ober- und Unterteil aus, in dem ich den Restspiritus im Unterteil anzünde und das Oberteil wie abgebildet hineinstelle. So vermeide ich weitgehend, dass Gestank und Geschmack des vergällten Spiritus an meine Kochuntensilien kommen.

Vorteile

  • billig (Dosenpfand oder sogar nichts)
  • in ca. 20 Minuten mit einfachen Mitteln herzustellen
  • heizt gut und recht sparsam
  • kein Topfständer notwendig
  • rußt kaum
  • Nicht benötigter Spiritus kann in die Brennstoffflasche zurück geschüttet werden
  • mit ca. 10 g sehr leicht

Nachteile

  • kleine Topfauflage, Kippgefahr des Topfes

Noch etwas mehr zum Thema und wie man sich auf Basis dieses Brenners eine sehr leichte, komplette und preiswerte „Küche“ bauen kann findet ihr beim Plünnenkreuzer, auf der Unterseite Landgänger .

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Wer den Bauvorschlag für den Kocher ausprobieren will, sollte wegen Brandgefahr unbedingt größte Sorgfalt und Umsicht walten lassen. Er tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr! Ich übernehme keinerlei Haftung für daraus resultierenden Personen-, Sach-,  Vermögens- oder sonstige Schäden!

Den Kocher nur draußen und auf feuerfestem Untergrund benutzen!


Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Hannah Caves (Samstag, 04 Februar 2017 04:18)


    Hi everyone, it's my first pay a quick visit at this website, and article is actually fruitful designed for me, keep up posting these posts.

  • #2

    Dan Killeen (Sonntag, 05 Februar 2017 18:32)


    I every time emailed this webpage post page to all my friends, because if like to read it afterward my friends will too.

  • #3

    Stephine Golub (Montag, 06 Februar 2017 11:58)


    When I initially commented I clicked the "Notify me when new comments are added" checkbox and now each time a comment is added I get four emails with the same comment. Is there any way you can remove people from that service? Thanks a lot!

  • #4

    Loyd Timm (Montag, 06 Februar 2017 14:38)


    Thank you for some other great post. Where else may just anybody get that type of information in such an ideal method of writing? I have a presentation next week, and I am on the search for such information.