Workshop Schnitzen  - Einführung

Mein Vater hatte bei unseren Waldspaziergängen stets ein Taschenmesser in der Tasche und zahllose Sonntagnachmittage unter krautigem Blätterdach am Bach, auf würzig duftenden Baumstämmen oder in hohem Sommergras sind mir in Erinnerung.

Holunder- oder Weidenpfeifchen entsanden dabei, Wasserrädchen, Steinschleudern, Holzmesser, Löffel und vieles andere.

Schnitzen ist sicher die ursprünglichste Art, direkt aus der Natur und mit einfachem Werkzeug etwas schönes und auch nützliches herzustellen. In Schnitzworkshops – egal ob mit Kindern oder Erwachsenen - wird es ruhig, eine zufriedene, fast schon meditative Stimmung verbreitet sich…

Probier es aus!

bewährtes Schnitzwerkzeug und Zubehör
bewährtes Schnitzwerkzeug und Zubehör

Schnitzregeln

Wer schnitzt, sitzt.

Das gefährlichste an einem Messer ist die Spitze, denn mit ihr können tiefe Verletzungen verursacht werden, zum Beispiel wenn man stolpert und in das Messer fällt. Daher wird niemals ein offenes Messer oder ein Messer mit ungeschützter Klinge in der Hand getragen. Das Messer wird erst im Sitzen aufgeklappt oder herausgezogen und vor dem Aufstehen wieder gesichert. Geschnitzt wird also nur im Sitzen. Übergeben wird ein Messer auch am besten in geschlossenem Zustand oder in der Scheide, offen allenfalls mit dem Griff zuerst und der Schneide weg von der Hand.

Mindestens Armlänge Abstand halten

In Gruppen ist es wichtig, nicht zu dicht aufeinander zu sitzen und vor allem nach vorne den Abstand einzuhalten. Eine mit Kraft geführte Klinge ist schnell weggerutscht.

Immer vom Körper und der haltenden Hand weg schnitzen

Wenn in der Schnitzrichtung keine Finger sind, kann man sich auch nicht schneiden! Daher nie zu sich oder der haltenden Hand schnitzen! Allerdings gibt es Schnitzprojekte, bei denen das schwierig ist, wie zum Beispiel Kugeln an Stielenden oder Löffel. Hierzu zeige ich in folgenden Beiträgen ein paar Tricks, die das Schnitzen erleichtern und sicherer machen.

FALSCH
FALSCH
Richtig!
Richtig!

Das Messer muss scharf sein!

Immer wieder höre ich, dass ein stumpfes Messer weniger gefährlich und daher für Kinder sicherer sei. Das Gegenteil ist der Fall! Bei einem stumpfen Messer arbeitet man automatisch mit viel Kraft und das Risiko, unkontrolliert abzurutschen ist dadurch viel höher als bei einem scharfen Messer, das weniger Druck erfordert. Für schlimme Verletzungen ist auch ein stumpfes Messer scharf genug! Das Messer muss also scharf sein.

Wie stelle ich die Schärfe fest? Die Klinge sachte auf den Daumennagel setzen und mit leichtem Durck vom Nagel schieben. Lässt sie sich verschieben, muss das Messer geschärft werden. Sitzt sie fest, ist das Messer scharf genug.

Schärftest: Lässt sich die Klinge auf dem Nagel zur Daumenspitze hin verschieben? Ja? Messer schleifen!
Schärftest: Lässt sich die Klinge auf dem Nagel zur Daumenspitze hin verschieben? Ja? Messer schleifen!

Erste-Hilfe-Päckchen

Zum Schnitzen immer ein Erste-Hilfe-Päckchen in der Nähe haben. Hinein gehören zwei Verbandspäckchen um im Notfall einen Druckverband machen zu können und Pflaster in verschiedenen Größen.

Kleine Verletzungen passieren und sind bei Beachtung der Sicherheitsregeln meist harmlos.

Gehört in die Schnitzbox: Schleifstein und Erste-Hilfe-Päckchen
Gehört in die Schnitzbox: Schleifstein und Erste-Hilfe-Päckchen

Schnitzen mit Kindern

Ab wann können Kinder eigentlich schnitzen? Meine haben mit drei Jahren im Waldkindergarten damit begonnen und bekamen mit vier Jahren ein Opinel Kindermesser mit abgerundeter Spitze. Grundsätzlich geht es wesentlich früher, als man denkt!

Schnitzen schult Feinmotorik, Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen, vermittelt Naturerfahrung sowie Kreativität, fördert Selbstbewusstsein und Verantwortung. Schließlich kann man ja so klein und "dumm" nicht mehr sein, wenn man ein Messer bekommt und damit umgehen darf!

Wichtig ist, dass die Kinder anfangs nicht unbeaufsichtigt schnitzen und die Schnitzregeln verinnerlichen. Wenn sich das Kind schneidet, nicht in Panik oder Vorwürfe verfallen sondern dem Kind auch hier ganz ruhig zeigen, was man dann tut. Es geht um Kompetenzen! Später dann erklären, was die Ursache für die Verletzung war, welche Schnitzregel missachtet wurde und das Kind weiter schnitzen lassen!

Kinder verschlampern ihr Messer leider gerne, daher würde ich empfehlen, kein Messer fürs Leben zu kaufen sondern lieber ein günstiges Messer.

Messer und Werkzeuge

Ein Schnitzmesser muss eine feste, also nicht biegbare Klinge haben und einen Griff, der bequemes Halten und sichere Führung erlaubt. Beliebt sind zwar Schweizermesser, aber wer die Wahl hat wird mit einem solchen Messer nicht lange schnitzen, der Griff mit den eingeklappten Tools ist einfach zu unbequem. Außerdem lässt sich bei den meisten Modellen die Klinge nicht arretieren, sie kann daher einklappen und zu Verletzungen führen. Besser sind Opinel, sie liegen gut in der Hand und die Klinge lässt sich feststellen. Zu dem sind sie wirklich günstig.

Opinel - gut und günstig
Opinel - gut und günstig

Ich empfehle ein Messer mit feststehender Klinge und dem zufolge gutem Griff ohne Rillen. Die Klinge muss nicht lang oder groß sein, am besten schnitzt es sich mit einem Kerbschnitzmesser mit kleiner Klinge. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Kerbschnitzmesser von Kirschen gemacht und es kostet auch nur ca. 10€. Einziger Nachteil: Es hat keine Scheide, daher packe ich es in eine Box.

Ideal: Kirschen Kerbschnitzmesser
Ideal: Kirschen Kerbschnitzmesser

Für die groben Vorarbeiten und zum Spalten habe ich gerne ein kräftigeres Messer zusätzlich dabei. 

Kräftiges feststehendes Messer fürs Grobe - ein Sami-Messer mit Kohlenstoffstahlklinge
Kräftiges feststehendes Messer fürs Grobe - ein Sami-Messer mit Kohlenstoffstahlklinge

Empfehlenswert ist außerdem eine kleine Klappsäge, hier empfehle ich Fiskars. Wenn Skandinavier keine gute Sägen bauen, wer dann? Für kleinere Sägearbeiten geht auch ein Victorinox mit Säge.

Qualität aus Finnland
Qualität aus Finnland

Für manche Projekte ist ein Handbohrer schön, um Holunderstängel auszuhöhlen braucht man eine große Holzschraube. 

Ins Schnitzzubehör gehört am Besten auch gleich ein kleiner Schleifstein, wenn möglich ein belgischer Brocken mit zwei verschiedenen Körnungen. 

Zum Löffelschnitzen braucht man ein Löffeleisen, sonst ist das Aushöhlen sehr mühsam.

Wer zu Hause den Staub nicht haben will, packt auch gleich Schleifpapier in verschiedenen Körnungen ein.

Transportiert wird das ganze im Rucksack am sichersten in einer Box.

Hölzer

Das beste Holz für Anfänger ist mit Sicherheit Lindenholz. Es ist weich und in alle Maserrichtungen gut bearbeitbar. Nicht umsonst sind viele berühmte Holzschnitzerein wie die Riemenschneider-Altare aus Lindenholz!

Sehr schön für Anfänger sind auch dicke Borkenstücke von Kiefern. Sie sollten allerdings nicht von lebenden Bäumen weggebrochen werden sondern nach Baumfällungen eingesammelt werden.

Härter aber auch zum Schnitzen eigenen sich die heimischen Laubbäume wie Eiche, Pappel, Ulme, Buche, Birke, Walnuss, Erle, Esche, Kastanie und Birnbaum. Noch härter aber geeignet ist Haselnuss, Apfel, Kirsche und Ahorn. Abraten würde ich von Robinie und vor allem Hainbuche, da diese Hölzer zu hart sind. Mit Nadelholz schnitze ich ungern, da es leicht reißt oder bricht.

 

Haselnuss-Strauch
Haselnuss-Strauch

Am leichtesten schnitzt es sich mit frischem Grünholz, da es weicher ist als getrocknetes Holz.

Selbstverständlich sollte Schnitzholz nur mit Bedacht entnommen werden, niemals in Gärten (außer dem eigenen), Streuobstwiesen oder Parks Holz von lebenden Bäumen absägen.

Im Wald oder am Waldrand können Seitenäste von Bäumen oder Seitentriebe von Sträuchern abgesägt werden, von Jungbäumen sollte man die Finger lassen. Für größere Schnitzprojekte oder Schnitzen mit Gruppen am Besten vorher den Förster fragen.

 

Zur Bestimmung der Bäume und Sträucher empfiehlt sich ein Bestimmungsbuch. Beim Schnitzen lernt man Bäume und Sträucher, ihre Rinde, ihr Holz und ihren Geruch sehr genau kennen!

Schnitzregeln

  • Wer schnitzt sitzt
  • Armlänge Abstand
  • Vom Körper weg schnitzen
  • Scharfes Werkzeug
  • Erste Hilfe-Päckchen dabei

Packliste Schnitzen

  • kräftiges, feststehendes Messer
  • Schnitzmesser mit kleiner Klinge
  • Schleifstein
  • eventuell Schleifpapier
  • Klappsäge oder Victorinox mit Säge
  • Erste-Hilfe-Päckchen
  • Bestimmungsbuch
  • eventuell Handbohrer
  • zum Löffel schnitzen ein Löffeleisen
  • für Holunderpfeifen große Holzschraube

Hölzer zum Schnitzen

  • Linde
  • Pappel
  • Eiche
  • Buche
  • Birke
  • Esche
  • Erle
  • Ulme
  • Kastanie
  • Walnüsse
  • Birne
  • Haselnuss
  • Apfel
  • Kirsche
  • Ahorn
  • Kiefernborke

Im nächsten Blog "Schnitzschule" zeige ich, wie man einen Honiglöffel schnitzt

Schnitzen macht glücklich!
Schnitzen macht glücklich!

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