Pflege leicht - Hygiene auf Tour

Stinken wie ein Bär – das gehört für viele zum Tourleben dazu. Bei manchen gewollt – als Befreiung von Alltagszwängen, bei manchen ungewollt, weil man nicht weiß wie. Schließlich gibt es bei Wildnistouren keine Dusche oder Waschmaschine!

Für die, die nicht wissen wie, habe ich hier aus meinen Erfahrungen einige Tipps zur praktischen Hygiene unterwegs und zu hilfreicher Ausrüstung. 

Und den Waschmuffeln sei gesagt: Der Verträglichkeit mit Tourpartnern und Tourpartnerinnen oder der Stimmung im gemeinsamen Zelt ist Hygiene sehr zuträglich!

Das schönste Badezimmer der Welt
Das schönste Badezimmer der Welt

Beauty Case

Ob der Griff der Zahnbürste jetzt abgesägt ist oder nicht, Zähne putzen draußen bekommt wohl jeder hin. Um Gewicht zu sparen, empfehlen sich Probepäckchen Zahnpastakonzentrat, erhältlich in den meisten Drogeriemärkten zur Urlaubszeit. Ich finde eine möglichst leichte Klappzahnbürste praktisch, da sie kompackter ist und die Borsten geschützt sind. Außerdem habe ich gerne etwas Zahnseide dabei, die im Notfall auch zum Nähen von kaputter Ausrüstung taugt.

Hände und Gesicht wasche ich mit der Wasserflasche, als Seife nehme ich biologisch abbaubares Seifenkonzentrat, abgefüllt in ein Nalgene-Fläschchen. Die Seife eignet sich auch zum Haare waschen, Geschirrspülen und Wäschewaschen. 30ml reichen mir bei sparsamster Verwendung etwa zwei Wochen.

Der Beauty Case
Der Beauty Case

Zum Abtrocknen habe ich ein schnelltrocknendes Microfaser-Handtuch, am liebsten mit Aufhängeöse mit Druckknopf,  so kann man das Handtuch tagsüber zum Trocknen sicher am Rucksack oder dem Fahrrad befestigen.

Dann braucht es noch einen Kamm, ein kleines Deo (Probepackung) und etwas Creme – fertig. Verpacken kann man das ganze einfach in einen leichten Beutel, wobei ich einen wasserdurchlässigen bevorzuge, damit die Zahnbürste nicht schimmelt. Ein klein wenig Luxus darf sein: Ich mag den Waschbag von Deuter, bei uns despektierlich „Beauty Case“ genannt, praktischer als ein einfacher Beutel und trotzdem recht leicht.

Hinein kommen auch regelmäßige Medikamente, eventuell Kontaktlinsen und mein Mini-Victorinox mit Pinzette, Schere und Feile für die Nagelpflege. Das Victorinox dient auch zum Pflaster schneiden, widerspenstige Packungen öffnen, Zecken entfernen und Reparaturzwecken.

Maniküre mit Aussicht - Jämtlandsfjäll, Schweden
Maniküre mit Aussicht - Jämtlandsfjäll, Schweden

Falls Du einen Spiegel brauchst, zum Beispiel Kontaktlinsen trägst, ich verwende den meines Spiegelkompasses.

 

Leave No Trace: Zahnpasta und Seife darf nicht direkt in Gewässer gelangen, da dort die Tenside bzw. andere Inhaltsstoffe erstens viel Schaden anrichten und zweitens nur schlecht abgebaut werden können. Im Erdboden dagegen wird das Waschwasser gefiltert und die Bestandteile der Seife durch Bodenmikroben abgebaut. 

Daher weder sich noch Geschirr oder Wäsche direkt im oder am Gewässer waschen!

Lust auf ein Bad? Die "Windfahne" ist mein Handtuch...     (Jämtlandsfjäll Schweden)
Lust auf ein Bad? Die "Windfahne" ist mein Handtuch... (Jämtlandsfjäll Schweden)

Die Dusche

Da wir uns ja zum Schutz der Natur nicht direkt im oder am Gewässer waschen, brauchen wir ein Gefäß zum Wassertransport und um sich abzuduschen. Auf Kanu- oder Radtour hat man meist einen Wassersack dabei, den man in die Bäume hängen kann. Mir war das ehrlich gesagt immer zu mühsam und ein geeigneter Ast in richtiger Höhe ist auch nicht immer zur Hand.

Das zweite, was ich ausprobiert habe, ist die Spülschüssel (z.B. Ortlieb), die man mit Kanu oder Fahrrad gerne dabei hat. Allerdings ist es sehr schwierig, sich damit abzuduschen.

Dann nahm ich die Wasserflasche und schließlich habe ich DIE Outdoordusche gefunden: Eine einfache 0,75 oder 1l –PET-Flasche mit Nuckelverschluss (Sportverschluss), wie es sie häufig für isotonische Getränke gibt. Überraschender Weise reichen 0,75l zum Nassmachen, Abspülen der Seife und des restlichen Körpers, da sich die „Problemzonen“ gezielt behandeln lassen. Doppelnutzen: Die Flasche dient auch als Trinkfasche, ist leicht, billig und hält mindestens eine Tour.

Bei sehr kaltem Wetter kann man das Wasser auch auf dem Kocher etwas anwärmen. Vorsicht: Bei heißem Wasser wird die Flasche schnell unförmig! 

 

Die Dusche
Die Dusche

Ich dusche mich abends nach der Tour so gut wie immer (wenn man eh schon sehr friert, sollte man drauf verzichten) und auch morgens genieße ich nochmal das frische Gefühl wann immer möglich. An Ruhetagen mit schönem Wetter und möglichst zwei Flaschen (die des Partners?) wasche ich mir so auch die Haare.

 

Bei Frühjahrs- oder Herbsttouren oder Touren in windige, kühle Gegenden wie Nordskandinavien hat sich ein Zelt mit großer Apsis bewährt,in der man aus dem Wind ist und sich kniend abduschen kann.

Das Klo

Ausführliche Abhandlungen in Büchern wie „How to shit in the woods“ halte ich wirklich für überflüssig. Allerdings sieht es in manchen, von „Abenteuertouristen“ stark frequentierten Gegenden wie Dalsland stellenweise aus wie auf einem Autobahnparkplatz .

Daher drei Hinweise zum Outdoorklo.

 

Erstens: Keine Taschentücher, Küchenkrepp, Feucht- oder Cleenextücher verwenden! Diese Tücher sind für Haltbarkeit auch in feuchtem Zustand gemacht. Ein Papiertaschentuch zersetzt sich daher schlecht und bleibt bei uns im Wald nach Tests im Outdoorforum über Monate sichtbar. In Regionen mit kurzen Sommern (kurze Aktivitätsphase der Bodenorganismen) wie Hochgebirge, Fjäll, Highlands oder dem hohen Norden zersetzen sich Taschentücher & Co über Jahre nicht.

Klopapier dagegen wird so hergestellt, dass es sich nass schon auf dem Weg in die Kläranlage auflöst und dort von Mikroben zersetzt werden kann. Klopapier ist in unseren Breiten im Wald nach wenigen Wochen komplett verschwunden.

 

Zweitens: Eine kleine, leichte Schaufel mitnehmen und den Haufen beerdigen! Am besten gräbt man schon vorher ein Loch und schüttet es anschließend wieder zu. Vom völlig unnötigen aber oft empfohlenen Anzünden des Klopapiers (aus LNT-Gründen) rate ich dringend ab, es wurden dadurch schon Waldbrände verursacht!

Es empfiehlt sich, zur Markierung einen Stock senkrecht in die „Grabstelle“ zu stecken. Nicht dass der nächste sich über die schön lockere Erde freut…

In sehr steinigen Landschaften können auch Steine verwendet werden, allerdings ist in einem Steinhaufen die Zersetzung wesentlich schlechter als im Erdboden. 

 

Alles für den "Spatengang"
Alles für den "Spatengang"

Drittens: Damenbinden und Slipeinlagen enthalten Kunststofffolien und bleiben daher über Jahrzehnte unzersetzt! Sie können nicht draußen entsorgt werden und müssen in kleine Müllbeutel  verpackt und mitgenommen werden. Tampons sollten zumindest vergraben werden, zersetzen sich aber nur langsam. Daher empfiehlt sich die Verwendung eines Menstruationcups. Mehr dazu im Blogbeitrag "Hygiene Outdoor für Frauen".

 

Zur Vermeidung von Durchfallerkrankungen (man kann sich durchaus selbst anstecken!) verwende ich nach dem „Spatengang“ ein Handdesinfektionsmittel.

Die Waschmaschine

Als Waschtrommel dient ein wasserdichter Packsack, Allzweck-Outdoorseife oder Reisewaschmittel hinein, die Wäsche und nur so viel Wasser (wenn möglich auf dem Kocher erwärmt) dazu wie nötig. Einweichen lassen und immer wieder schütteln, was anderes macht die Waschmaschine zu Hause ja auch nicht. Um den Mief rauszubekommen, reicht die Methode, Flecken muss man etwas vorbehandeln. Spülen funktioniert dann genauso.

Das Seifenwasser wird natürlich wieder abseits von Gewässern auf die Erde gegossen, so dass nichts direkt in den Bach oder See laufen kann.

Ein paar Meter Allzweckschnur (Reepschnur ist am besten) als Wäscheleine habe ich eh immer dabei, ansonsten kann man auch eine Zeltsturmleine nehmen. Auf kleine Wäscheklammern verzichte ich nicht mehr, aber auf alle spezial Outdoorwäscheleinen mit integrierten Klammern oder verdrillten Gummileinen. Die Wäsche hält einfach nicht. Manchmal ist das einfachste das beste!

Ich wasche meist nur Unterwäsche, Socken und T-Shirts auf Tour, Hosen und Pulli bleiben dreckig. Zum Waschen ist natürlich ein Ruhetag schön und da ich alle drei bis vier Tage einen mache, nehme ich nur für drei Tage Wäsche mit. Bisher hat das selbst in Lappland immer funktioniert!

Waschtag am Vikihaure, Schweden
Waschtag am Vikihaure, Schweden

Wozu eigentlich das Ganze? Nun, das kann natürlich jeder für sich entscheiden, ich zumindest fühle mich wesentlich wohler, wenn ich halbwegs sauber bin.

Ich weiß, dass der Gedanke, sich nicht waschen zu können, viele Frauen von Touren abseits einer Dusche abhält.

Ich hoffe, meine Tipps helfen Dir in dieser Hinsicht?

Packliste Hygiene

Jegliche Hygiene abseits von Gewässern verrichten und Seife oder andere Reinigungsmittel nicht direkt in Gewässern verwenden!


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