EXPED Venus III DLX PLUS - Praxistest

Ein 2-3 Personen-Zelt mit großer Apsis, möglichst als Querschläfer, mit dem man auch bei schlechtem Wetter und mit viel Gepäck bequem wohnen kann musste her!

 

Es soll vor allem als "Basislager" dienen und für Kajaktouren sein, daher verpackt noch ins Boot passen. 

 

Geworden ist es das EXPED Venus III DLX PLUS, aber ob es die Vorgaben und Erwartungen erfüllt hat, zeigt mein Praxistest.



Exped-üblich ist das Zelt in der praktischen Rolltasche verpackt. Ein ordentlicher Packen, aber durch die Spanten eines Faltbootes oder die Gepäckluken eines Tourkajaks passt es gerade noch.

Wirklich gut ist der kombinierte Gestänge-Zubehör-Beutel, mit dem keine Beutelchen wegfliegen oder Reparaturhülsen verlorengehen können. Klasse!

Im roten Fach findet man solide V-Heringe in ausreichender Anzahl, im grünen Fach zusätzliche Sturmleinen und Reparaturmaterial. Dahinter befinden sich die vier Stangen.

Einziger Nachteil: Das Heringsfach ist ein wenig zu breit, so dass die Heringe quer hineinrutschen und so das Gestängefach blockieren. 

Vier Gestänge in drei verschiedenen Farben, der Aufbau ist wie bei anderen Exped-Zelten selbsterklärend und idiotensicher, beim Venus III DLX PLUS auch alleine problemlos möglich. 

Das Zelt ist im Grunde ein Tunnel mit einer zusätzliche Längsstange,  durch die es wirklich straff steht. Positiv auch: Es entsteht ein leichter Sattel auf dem Dach, auf dem sich kein Regenwasser sammeln kann, wie es bei Tunnelzelten gerne der Fall ist. Auch ein Durchhängen bei nassem Außenzelt wird so vermieden.

Die hintere Apside ist groß genug für Schuhe und persönliches Gepäck für eine Person, die dadurch einen eigenen Eingang und "Wirtschaftsbereich" hat. So kommt man sich z.B. beim Packen nicht in die Quere, was der Beziehung zuträglich ist... 

Die riesige vordere Apside mit zusätzlicher Moskitotür und Hängeregal bietet Platz für viel Gepäck, Kochen auch zu zweit oder einer Skatrunde. Sie ist hoch genug, um darin auf einem Klapphocker sitzen zu können!

Die Bodenwanne kann bis zur Mitte aufgezippt und aufgerollt werden, es entsteht dann ein rechteckiger Stiefelbereich. An der Spitze der Apside links befindet sich ein weiterer Eingang mit Mittelreissverschluss, der beidseitig aufgeklappt werden kann. 

Die hochgezogene Bodenwanne hat den Vorteil, dass der komplette Vorbereich sauber und trocken bleibt und dadurch komfortabel bewohnbar ist. Allerdings vergrößert sie das Packmaß und Gewicht deutlich und hat den Nachteil, dass nasse oder schmutzige Ausrüstung oder Kisten mit scharfen Kanten nicht einfach in die Apside gelegt werden können. Auch zum Kochen muss die Wanne zumindest zum Teil herausgeknöpft werden.

Das Innenzelt geht zu dritt, ist richtig bequem zu zweit und ausreichend lang auch für größere Menschen. Es hat vier Krimskrams-Fächer neben den Türen und einen Gepäckhimmel.

Die Türen haben zusätzliche Moskitotüren und praktische Haken zur Befestigung der offenen Tür ohne Gefummel mit Knebelverschlüssen. Eine weitere durchdachte Neuerung, das liebe ich an Exped!

Die Zelte der Schweizer Firma sind stets in grün und rot erhältlich, wobei ich das Rot einfach schön finde!

Vorteil zudem: Zusammen mit dem gelben Innenzelt gibt es auch bei schlechtem Wetter eine sehr angenehme Atmosphäre. Jeder, der schon einmal in einem petrolgrünen, blauen oder grauen Zelt mit weißem Innenzelt abwettern musste, weiß das zu schätzen!

Maße (laut Hersteller)

Packmaß: ca. 60 x 25cm

Gewicht: 6.390g mit Bodenwanne (nachgewogen)

Länge Außenzelt: 4,45m

Breite Außenzelt: 2,5m

Höhe (höchste Stelle Apside): 1,5m

Innenzelt: 1,6 x 2,35m

Innenzelthöhe: 1,25m

Mein Fazit:

Ich habe das Venus III DLX PLUS bisher eine Woche bei überwiegend kaltem, schlechtem Wetter, auch mit Gewitterböen und Starkregen zu zweit bewohnt und bin absolut zufrieden damit! Dicht von oben und unten, sehr gut belüftet, wenig Kondensprobleme, variable Eingänge und vor allem sehr viel Platz und Komfort!

 

Das Zelt ist ideal für Eltern mit einem Kind oder wenn die Kinder zwar im eigenen Zelt schlafen, aber im Zelt der Eltern essen oder sich ab und zu aufhalten wollen. Platz genug für einen Spiele-Abend!

Geeignet halte ich es für drei Jahreszeiten und alle Klimazonen, mit Schwerpunkt eher Mittel- und Nordeuropa. Die Ausstattung mit Moskitotüren und die stabilisierende Längsstange qualifizieren es auch für windige und mückenverseuchte Gegenden wie Skandinavien oder Schottland. 

 

Für Trekking- oder Radtouren wäre es mir viel zu schwer, aber für Kanutouren oder als "Basislager" ist es ideal!

+ viel Platz und Komfort

+ Exped-übliche sehr gute Verarbeitungsqualität und Ausstattung

+ leichter und unkomplizierter Aubau

+ Wetterschutz und Sturmfestigkeit

+ Flexibilität

 

- Gewicht und Packmaß

- Preis 


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Kommentare: 1
  • #1

    HAL - der "olle Plünnenkreuzer" (Sonntag, 04 September 2016 17:31)

    Ein sehr positives Review, doch hält es draußen in der Pampa was es im heimischen Garten verspricht?
    Wir waren dreieinhalb Wochen mit dem Zelt unterwegs, die ersten zwei auf Kayak-Tour mit meist täglichem Auf- und Abbau, den Rest mit klassischem Camping. Mir fielen nur drei kleinere Dinge auf:
    - Auf der Seite mit der kleinen Apside bekam ich öfter mal einen nassen Pelz vom Außenzelt, wenn ich morgens raus wollte. Bei meinen Zelten klappe ich den nassen Eingang einfach auf das Außenzelt, bei diesem Zelt funktioniert das nicht.
    - Die Spann- und Befestigungspunkte am Boden sind mit dünnen Leinen ausgestattet und etwas fispelig zu bedienen. Wohl kein Zuckerschlecken mit kalten, steifen Händen oder mit Handschuhen. Schmale Gurtbänder wären hier m.E. besser geeignet.
    - Manchmal gab es unterm Außenzelt gut Kondens. War aber innen kein Problem. Eine Belüftung a la Hilleberg oder Pegasus ganz oben könnte Abhilfe schaffen.

    Zusammengefasst ist das Zelt wirklich ein Traum wenn es nicht aufs Gewicht ankommt. Tolles Wohngefühl (in Längsliegertunneln dagegen fühle ich mich wie eingesargt), zügiger und einfacher Auf- und Abbau und eine super Verarbeitung. Exped halt!

    Hartmut - Besitzer eines älteren Orion-Extreme